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Aktuelle Pressemeldung: Bremer Studierende besetzen Veranstaltungsräume und protestieren

Bremer Studierende besetzen Veranstaltungsräume und protestieren

Wir, viele Studierende der Universität, haben uns am 24.11. gemeinsam dazu entschieden zu protestieren und zwei Veranstaltungsräume an der Uni zu besetzen, um konkrete Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten und auf die Dringlichkeit folgender Probleme hinzuweisen:

- In Folge des zunehmenden Leistungs- und Prüfungsdrucks ist die Zahl der erkrankten Studierenden massiv angestiegen.

- Das akademische Niveau der Lehre fällt seit Jahren stark ab.

- Die Mittagspause wurde abgeschafft.

- Immer mehr Menschen werden vom Zugang zu guter Bildung ausgegrenzt.

- Eine schnell fortschreitende Entdemokratisierung der Entscheidungsstrukturen ist im Gange, die den Studierenden die letzten Möglichkeiten der aktiven Mitbestimmung nimmt.

- Die Steuersenkungen für einige reichere und einflussreichere Bevölkerungsschichten und Gruppen werden auf Kosten der Allgemeinheit gegenfinanziert, z. B. durch eine weitere Verschärfung der Unterfinanzierung des Bildungssystems und eine fortschreitende Reduzierung der Unterstützungsleistungen für die ärmsten Bevölkerungsschichten.

Wir rufen alle Menschen, die sich mit diesen Inhalten identifizieren können, dazu auf, sich gemeinsam mit uns für ein Bildungssystem zu engagieren, das allen Menschen den Zugang zu guter Bildung ermöglicht, und für eine Gesellschaft, in der die Würde jedes Einzelnen geachtet wird. Damit meinen wir ganz konkret, dass kein Mensch gezwungen werden darf, in Armut zu leben. Wir arbeiten tagtäglich, von morgens bis abends (und häufig auch noch nachts) im Raum B2890 im Gebäude GW2 und freuen uns über alle, die gemeinsam mit uns protestieren und die eben genannten Probleme angehen wollen.

Ausführlich:

Die Anzahl der Prüfungen und der Leistungsdruck wurden in den letzten Jahren so weit erhöht, dass immer mehr Studierende erkrankt sind. Allein im Zeitraum von 2007 bis 2008 stieg die Anzahl der Studierenden, die über psychische Überbelastung klagten um 23,5%. Die Psychologisch-Therapeutische Beratungsstelle (PTB) der Universität, die sich vor allem an Studierende mit Lernproblemen und Überforderung richtet, ist mittlerweile selbst überlastet. Gleichzeitig ist es zu einem massiven Verfall des akademischen Niveaus in der Lehre gekommen: Es reicht häufig, die Folien einer Vorlesung auswendig zu lernen, um die anschließende Klausur mit „gut” oder „sehr gut” zu bestehen.

In den meisten Studiengängen ist es nicht mehr Teil des Studiums selbstständig zu recherchieren, geschweige denn in der Bibliothek eigene Nachforschungen anzustellen und über das hinauszugehen, was den Studierenden in den Vorlesungen vorgesetzt wird. Häufig fehlt dafür auch die nötige Zeit, weil das Auswendiglernen von Definitionen und Sätzen für die Klausuren meist den größten Teil der Zeit verschlingt, wobei der Großteil des zusammenhanglos auswendig gelernten Wissens schon kurz nach der Klausur wieder vergessen wird. Unter den Studierenden hat sich der Begriff „Bulimie-Lernen“ etabliert, um diese Art des Studierens treffend zu charakterisieren. Essays und Hausarbeiten werden nur noch selten geschrieben, und häufig fangen die Studierenden erstmalig an, wissenschaftlich zu arbeiten und in der Bibliothek eigene Nachforschungen anzustellen, wenn sie im letzten Semester ihres Studiums sind und an ihrer Abschlussarbeit schreiben.

Die Mittagspause wurde abgeschafft. Veranstaltungen können nun ohne Unterbrechung von 8:00 bis 20:00 Uhr stattfinden, ohne dass den Studierenden Zeit gegeben wird, sich nach zwei Kursen zu entspannen und wieder zu regenerieren. Außerdem gibt es durch den Wegfall der Mittagspause noch weniger Zeit für politisches Engagement. Dies war bislang der einzige Zeitraum, in dem es allen möglich war, sich in studentischen Gruppen zusammen zu finden.

In vielen Studiengängen ist es zu einer sehr kurzsichtigen Beschränkung der Studieninhalte auf bestimmte Fähigkeiten gekommen, von denen die Verantwortlichen glauben, sie wären arbeitsmarktrelevant. Weggefallen sind Studieninhalte wie die Schulung analytischen  Denkens, selbstständigenwissenschaftlichen Arbeitens und Recherchierens, die Entwicklung der Fähigkeit, eigene Überzeugungen und gesellschaftliche Verhältnisse kritisch zu hinterfragen sowie die Erarbeitung theoretischer Grundlagen. Des Weiteren lässt die restriktive Struktur und die enorme Arbeitsbelastung den Studierenden kaum noch Zeit für politisches Engagement oder Auslandsaufenthalte. Insbesondere die Sozial- und Geisteswissenschaften wurden durch den Wegfall dieser Studieninhalte ihres „sakralen Kerns“ (Richard Münch) beraubt. Diese Fähigkeiten und Kenntnisse sind nicht nur ein notwendiger Bestandteil akademischer Bildung, sondern auch eine Voraussetzung für das Funktionieren einer lebhaften demokratischen Gesellschaft. Demokratie lebt von der Partizipation der Bevölkerung. Wenn dieses Engagement immer weiter erschwert wird, ist das ein Problem für die demokratische Kultur, die eine unserer größten zivilisatorischen Errungenschaften darstellt.

Die Ausgrenzung vom Zugang zur Hochschulbildung nimmt weiter zu: Die kontinuierlich wachsenden Zulassungsbeschränkungen, das zu geringe Angebot an Masterstudienplätzen sowie die schleichende Einführung von Studiengebühren enthalten immer mehr Menschen die Möglichkeit vor sich weiterzubilden. Die Belohnung der „besten“ Studierenden bei gleichzeitiger Benachteiligung anderer droht die inner-studentische Solidarität nachhaltig zu schädigen. Diese stellt nicht bloß einen Wert an sich dar, sondern ist auch wichtig für eine gute Arbeitsatmosphäre.

Viele Seminare, die für 40 Studierende konzipiert sind, finden aufgrund des Dozentenmangels mit bis zu 140 Studierenden völlig überbelegt statt. Insbesondere die in der Lehre stark engagierten Dozenten sind so sehr überarbeitet, dass ihre Gesundheit gefährdet ist.

Wir haben auf diese Probleme mehrfach in den zuständigen Gremien hingewiesen. Jedoch sind keine ernstzunehmenden Schritte zur Lösung der Probleme eingeleitet worden. Es blieb bei Absichtserklärungen. Mittlerweile sind Studierende in allen wichtigen universitären Gremien so stark unterrepräsentiert, dass keine reelle Möglichkeit besteht, Verbesserungsvorschläge gegen den Willen der Professorenschaft und des Rektorats zu verwirklichen. Mit demokratischen Entscheidungsstrukturen wären viele Probleme erst gar nicht aufgetreten oder bereits gelöst worden. Insbesondere verhindert die Unterfinanzierung die Lösung der größten Probleme.

Wir protestieren dagegen, dass einige gesellschaftlich besser gestellte Bevölkerungsschichten und Gruppen von der Regierung weitere Steuererleichterungen gewährt bekommen. Wir sind empört, dass der Wegfall von Steuereinnahmen dadurch ausgeglichen wird, dass dem ohnehin unterfinanzierten Bildungssystem, welches allen zugute kommen sollte, nun auch noch die nötigsten Mittel gekürzt werden sollen. Diese Mittel sind unerlässlich, um die grundlegenden Aufgaben der Lehre zu erfüllen. Zudem protestieren wir dagegen, dass die Steuersenkungen für reiche Bevölkerungsgruppen kompensiert werden, indem die Unterstützung für die ärmsten Bevölkerungsschichten so weit reduziert wird, dass viele von ihnen ihre Grundbedürfnisse nicht mehr befriedigen können und gezwungen sind, unterhalb des Existenzminimums zu leben.

Um diese Missstände zu beheben sind wir gemeinsam aktiv geworden und rufen alle, die sich in unseren Werten und Zielsetzungen wiederfinden, dazu auf, sich gemeinsam mit uns für die Lösung dieser Probleme zu engagieren.

Eure protestierenden Studierenden der Uni Bremen

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PM: Audimax in Münster geräumt

Pressemitteilung

Uni Münster: Rektorat lässt BesetzerInnen von Polizei räumen

06.11.09, Münster. Das Rektorat der Univerisität Münster hat gegen 6.00 Uhr die Besetzerinnen und Besetzer von der Polizei räumen lassen. Die BesetzerInnen hielten den Audimax der Uni Münster besetzt, um ihren Forderungen nach Abschaffung von Studiengebühren und der Demokratisierung “ihrer Hochschule” (http://www.bildungsstreik-muenster.de/media/files/forderungen.pdf) Nachdruck zu verleihen. Die Besetzung des Audimax dauerte zwei Tage. Die BesetzerInnen zeigten sich von dem frühen Zeitpunkt der Räumung überrascht. Die Räumung verlief von Seiten der Studierenden friedlich. Sie kamen der ersten Aufforderung der Polizei, dass Gebäude zu verlassen nach.

“Zeichen von Schwäche”
Die BesetzerInnen bezeichnen das Rektorat der Universität Münster auf ihrer Homepage als “das uneinsichtigste Rektorat Deutschlands”.
“Die frühe Räumung ist ein Zeichen von Schwäche. Sie zeigt, dass dem Rektorat die Argumente fehlen. Statt mit uns die Uni Münster zu gestalten, setzt es auf Polizeigewalt”, zeigt sich einer der BesetzerInnen enttäuscht. Die BesetzerInnen betonten, dass die Besetzung eine offen Aktion gewesen sei. Studierenden, SchülerInnen, Lehrende, Eltern; allen war der Audimax frei zugänglich. Mit den Hausmeistern habe man in einem freudlichen und kooperativen Verhältnis gestanden.
Dies mit einer Räumung zu quittieren, sei der Beweis, dass das Rektorat keine Diskussion zwischen Gleichgestellten zulassen wolle. “Wer Argumente hat, lässt nicht räumen”, äußerte sich eine Besetzerin. “Wir haben den Verdacht, dass die Rektorin die Besetzung nicht politisch beurteilt, sondern persönlich genommen hat.”
Silja Fehn, Kustodin des Englischen Seminars, meinte, es hätte allezeit ein “entspanntes und freundliches Verhältnis” zwischen ihr und den BesetzerInnen geherrscht.

offen und demokratisch
Durch die Räumung, so die BesetzerInnen, sei einer der wenigen Räume nun verloren gegangen, in dem Menschen offen und demokratisch über Bildungspolitik sprechen konnten. Dennoch müsse die Diskussion um das Bildungssystem von morgen fortgesetzt werden — und zwar auf gleicher Augenhöhe zwischen den DiskussionsteilnehmerInnen; so wie das in den vergangenen zwei Tagen mit hunderen Studierenden und tausenden Schülerinnen und Schüler im Audimax geschah.
Die BesetzerInnen erklärten, ihre Arbeitskreise aufrechtzuerhalten und Arbeit fortsetzen zu wollen. Der aktuellen zunehmend marktgesteuerten Bildungspolitik wollen sie ihre eigenen Ideen und Konzepte entgegenhalten. Die Bildungspolitik, so schrieben sie bereits in ihren Forderungen, müsse  darauf ausgerichtet sein, Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft zu verhindern. Der Bildungsprozess müsse hürdenlos ausgestaltet sein und dürfe nicht zu Überlastung und “Bulemielearning” führen. Das Bildungssystem müsse endlich ausreichend öffentlich finanziert werden. Eine Privatisierung der Bildungskosten, so die BesetzerInnen sei keine Lösung, sondern Teil des Problems. Die Vielfalt von Forschung und Lehre sei dringend zu erhalten, weil diese den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess grundlegend ermögliche.

Homepage der BesetzerInnen
http://www.unsereunis.de/

Homepage des Bildungsstreiks
http://www.bildungsstreik-muenster.de/

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