“Wir kämpfen zwar mit aller Kraft für unsere Sache, lassen uns aber deshalb nicht jede Woche wegen einer sturen Rektorin von der Polizei mitnehmen”, so die einhellige Meinung der BesetzerInnen in Münster. Nach den bundesweiten Demonstrationen am 17.11.09 nahmen sich münsteraner SchülerInnen und Studierende erneut einen Freiraum in der Universität, der Hörsaal F1 im Fürstenberghaus. Von Anfang an wurde ihnen der Aufenthalt erschwert. So wurden der Wachdienst vom „uneinsichtigsten Rektorat Deutschlands“ angehalten, Elektrogeräte der Streikenden aus den Steckdosen zu entfernen; im Raum wurde die Hauptbeleuchtung sowie die Heizung abgestellt.
Des Weiteren wurde dem Plenum mitgeteilt, dass eine Ausstellung zum Thema „WISSENSCHAFT, PLANUNG, VERTREIBUNG – Der Generalplan Ost der Nationalsozialisten” der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) bei einer Aufrechterhaltung der Besetzung ausfallen müsse. Auf Nachfrage bei der DFG kam heraus, dass die Besetzung die Ausstellung in keinerlei Weise behindern würde; vielmehr lud der Kurator der Ausstellung die BesetzerInnen zur Eröffnung ein (http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/Muenster-Besetzung-dauert-trotz-Taeuschungsmanoever-des-Rektorats-an;art993,739447). Die Mitteilung des Präsidiums entpuppte sich als ein leicht durchschaubares und deshalb peinliches Täuschungsmanöver. “Es ist ein unglaublicher Skandal, dass das Rektorat mit dreisten Unwahrheiten versucht, die wichtigste deutsche Forschungsinstitution für seine Zwecke zu missbrauchen,” empört sich Lara Teichmann, Studentin im F1.
Heute um 6:00 Uhr morgens sollte der besetzte Hörsaal von einer Hundertschaft der Polizei geräumt werden. Da die Besetzer von dieser Aktion erfahren hatten, fand die Polizei einen leeren Raum vor.
Wir sprechen unsere Solidarität mit den Streikenden in Münster aus. Das Verhalten der Hochschulleitung verurteilen wir aufs Schärfste. Es ist nicht hinnehmbar, dass dermaßen massiv gegen die eigene Studierendenschaft vorgegangen wird. Erneut hat Direktorin Nelles auf die berechtigten Anliegen der StudentInnen und SchülerInnen mit Einsatz der Polizei reagiert, anstatt endlich auf die Probleme im Bildungssystem einzugehen. Dabei hätte es durchaus Alternativen gegeben: Es gibt „etliche RektorInnen in Deutschland, die auf Dialog statt auf Polizei setzen.“ Wir hoffen auf ein Einlenken der Universitätsleitung Münster.
Die Streikenden lassen sich indes nicht einschüchtern. Am Abend nach der Räumung wurde gegen die Räumung demonstriert, am kommenden Mittwoch wollen sie für eine Demo gegen Polizeieinsätze an Schulen und Hochschulen nach Duisburg mobilisieren. Alle sind sich einig: „Wir machen weiter!“


