Rektorat blockiert die eigene Universität
- Studierende arbeiten konstruktiv
Münster, 9.11.2009
Nachdem die offene und friedliche Besetzung des Audimax der Universität Münster am Freitagmorgen von der Polizei geräumt wurde, hatten Studierende für heute Nachmittag, 16 Uhr eine Aktion mit dem Titel „Unianeignung“ am Domplatz angekündigt.
Kastrophales Fehlverhalten des Rektorats
Diese Ankündigung hat offensichtlich dazu geführt, dass die Universitätsleitung ihren eigenen Betrieb lahmlegte. Ab 14h war das gesamte Schloss geräumt, die Türen abgeschlossen und alle Veranstaltungen verlegt. Aus MitarbeiterInnenkreisen war zu hören, dass diese Maßnahmen aus Angst vor einer Schlossbesetzung ergriffen wurden. Der Lehrbetrieb wurde durch diese Kurzschlussreaktion wesentlich massiver gestört als es eine friedliche Besetzung jemals vermag. Wir stellen mit Bedauern fest, dass das Rektorat anstelle von Dialog auf unverhältnismäßigen Polizeieinsatz und Konfrontation setzt. So wurden unnötigerweise gegen 16 Uhr auch sämtliche Zufahrtswege zum Domplatz von mehreren Mannschaftswagen der Polizei bewacht. Man hat augenscheinlich Angst vor der offenen Diskussion mit den eigenen Studierenden.
Mangelhafte Dialogbereitschaft
Ein Beispiel: Obwohl Studiengebühren nachgewiesener Maßen junge Menschen vom Studium abschrecken und das Menschenrecht auf Bildung im UN-Sozialpakt festgeschrieben ist, wich die Rektorin im Gespräch mit BesetzerInnen aus: „Über Studiengebühren diskutiere ich nicht.“ „Das ist ein Armutszeugnis“ , so eine Audimax-Besetzerin. „Wenn wir keine Chance haben, in der Uni mitzubestimmen, müssen wir zu Maßnahmen wie der Besetzung von Hörsälen greifen, um uns überhaupt Gehör zu verschaffen“. Die Studierenden sind in allen entscheidungsbefugten Gremien der Universität hoffnungslos unterrepräsentiert und werden konsequent ignoriert.
Die Unianeignung heute
Am heutigen Montag fand entgegen aller Befürchtungen des Rektorats „lediglich“ eine temporäre Besetzung des Hörsaals PC4 für wenige Stunden statt. Sinn dieser „Unianeignung“ war es, Raum zu schaffen für einen konstruktiven Workshop, der den Vorstellungen von freier Bildung gerecht wird. Dass Studierende der Universität die Räume ihrer Hochschule in ihrem Sinne nutzen können, ist eine Selbstverständlichkeit.
Die Forderungen der Besetzung vom Mittwoch bleiben gültig. Polizeigewalt kann die Protestierenden weder einschüchtern noch beschwichtigen. Studierende und ihre Interessen werden auch in Zukunft zentraler Bestandteil des Hochschullebens sein und können nicht übergangen werden.
Eine Lösung der Probleme an den Hochschulen kann nur im uneingeschränkten Dialog auf Augenhöhe mit den Studierenden gefunden werden.
Am Donnerstag, dem 12. November um 18 Uhr treffen sich Interessierte auf dem Domplatz, um sich einen Hörsaal anzueignen. Dies wird so oft und so lange passieren, wie es nötig ist. Unianeignung: Phase 2.
Wessen Uni? – Unsere Uni!



#1 by Andre Duroy on November 9, 2009 - 11:37 pm
wir geben auf keinen fall auf!
in meinem blog habe ich eine solidaradresse verfasst und einen link zur online-petition gemacht.
Sehr gute idee, eine ”synoptische” website der studentenproteste anzubieten!
#2 by Jonas on November 10, 2009 - 4:05 am
Sehr sehr gut. Gebt nicht auf – und lockt sie aus ihren Reserven. Wenn das Rektorat so früh zu solchen Mitteln greifen muss, dann zeigt es wie schwach es doch ist. Und ewig kann es sich nicht gegen die Studierenden stellen. Immerhin soll es sie vertreten – nicht gegen diese arbeiten. Und das scheint es im Moment absolut zu tun.
Solidarische Grüße aus Innsbruck.
Jonas
http://www.sowimax.at/
http://sowimax.jonass.de/
#3 by dägl on November 10, 2009 - 2:38 pm
ihr seit super…macht nur weiter…auch von mir solidarische grüße aus innsbruck dagmar
#4 by hadwig on November 10, 2009 - 3:43 pm
Gute nervige Strategie – viel Erfolg! Grüße aus Salzburg!
#5 by Jo Jo on November 10, 2009 - 3:47 pm
Klingt nach ner guten Taktik. Wenn ihr ständig (täglich) Besetzungsaktionen ankündigt hat das wohl einen sehr besonderen Effekt mit dem Vorteil, dass ihr weniger organisieren müsst. Wenn die Ankündigung reicht … Ihr braucht ja nicht hingehen. Und wenn aufeinmal keine Poliz mehr da ist zum bewachen, könnt ihr dennoch wieder besetzen! SCHÖÖÖN!
Weiter so!!! LG aus Wien
#6 by Michael on November 10, 2009 - 11:05 pm
Solidarische Grüße auch aus Tübingen. Wenn ihr wieder “Raum” bekommt wäre das nicht nur für Euch großartig, sondern auch für andere, noch zu besetzende Uni`s eine gute Ermutigung!
#7 by john on November 11, 2009 - 9:50 am
Weiter so!
Solidarische Gruesse aus Graz
john
#8 by Twitgeridoo on November 11, 2009 - 12:09 pm
Sauber!
Genauso geht es…
Wünsche euch weiterhin viel Erfolg!
Ab dem 17.11. wird’s erst so richtig heiß!
Lasst uns die Kessel schon mal vorheizen…
Viele Grüße und aufrichtige Solidaritätsbekundungen aus Bonn,
Edward
#9 by Peter on November 12, 2009 - 2:04 am
Viel Erfolg bei der Unianeignung Phase 2 und lasst euch nicht unterkriegen!
Grüße aus dem besetzten Salzburg
#10 by Mai on November 13, 2009 - 12:09 am
Eure Geschichte geht in Österreich durch alle Unis durch, wir drücken euch die Daumen!
Liebe Grüße von der TU Wien!!!
#11 by Jörg on November 13, 2009 - 12:40 am
Super Sache!
#12 by Piratenstatistiken on November 14, 2009 - 6:31 pm
„Über Studiengebühren diskutiere ich nicht.“
Die Uni ist für die Studierenden da, und wenn die Universitätsleitung der Meinung ist, eine Diktatur einzurichten, und die Studierenden polizeilich zu verfolgen, dann muss sie mit den Konsequenzen leben. Und wenn sie über Studiengebühren nicht reden wollen, dann brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn plötzlich einfach keine mehr gezahlt werden. Ein bisschen Demokratieverständnis sollte die Unileitung langsam aufbauen.