Impressionen: http://unsereunibrennt.de/content/impressionen-vom-heutigen-tag
Ein “kurzer” Bericht, für die Leute, die heute nicht dabei sein konnten Heute um 9.30 kam die Sms, dass die Tore verschlossen sind und die BesetzerInnen zwar raus dürfen, aber niemand mehr rein kann. Umgehend wurde mobilisiert, damit möglichst viele Menschen davon erfahren und sich vor der Uni einfinden. Das Treffen wurde auf 15.00 Uhr angesetzt.
Um halb drei aus der U-Bahn – und schon standen am Aufgang zwei Zivilpolizisten, die amüsanterweise bei späterer Gelegenheit behaupteten, sie seien wegen einer anderen Sache dort und ein weiterer gab sich alsbald als “Student” aus. Die Tore sind tatsächlich zu, innen an den Glastüren stehen BesetzerInnen und halten Schilder mit ihrer Handynummer zur Kontaktaufnahme hoch. Drinnen sind zu diesem Zeitpunkt etwa 20 BesetzerInnen und 30 Securities. Deren Anzahl wurde am Morgen beim Schichtwechsel aufgestockt und zum gleichen Anlass auch sämtliche Eingänge verriegelt. Wir erfahren per Telefon, dass morgens sogar der Weg vom Audimax in die VoKü abgesperrt war und nun Securities vor sämtlichen Ein/Ausgängen stehen. Hätten sie gewollt, wäre es den zu diesem Zeitpunkt Anwesenden möglich gewesen (wie auch jetzt noch), die Uni zu verlassen. Von den BesetzerInnen kam aber das klare Statement: “Wir gehen nicht raus!”
Draußen verfassen wir eine Pressemitteilung, die von den Drinnenseienden noch abgesegnet und ergänzt wird. Vor der Uni sammeln sich um 15 Uhr etwa 50 nun ausgesperrte BesetzerInnen und Sympathisanten.
Als wir gegen 16 Uhr auf die Ludwigsstraße gehen sind sogleich sechs Sixpacks zugegen und wir erhalten freundlicherweise die Erlaubnis, den rechten Fahrstreifen zu blockieren. Da wir draußen ohne Material sind, wurden uns von den BesetzerInnen Transpis aus unserem Fundus herausgeschleust. Kurz vorher wurde festgestellt, dass das eine Gittertor vor dem Haupteingang nicht abgeschlossen ist und ein Teil von uns befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Säulengang, damit dieser nicht wieder verschlossen werden kann. Die Blockade des rechten Fahrstreifens geben wir nach wenigen Minuten wieder auf, um das ganze später zu wiederholen. Dazu kommt es allerdings nicht mehr.
Dann versammeln wir uns alle vor den Glastüren. Während von innen direkt davor Musik gemacht wird, nehmen wir per Zettel und Stift Kontakt auf und klären, was die Leute drinnen brauchen. Als sich alle im Säulengang befinden, bittet einer der Besetzenden die Security, hinausgelassen zu werden: Die Tür wird geöffnet. Da wir uns vor der Tür in der Überzahl befinden, können zu diesem Anlass etwa weitere 15 bis 20 Personen in das HGB gelangen, wobei die Securities etwas unsanft “überrumpelt” werden. “Freunde und Helfer” sind dann aber zur Stelle und helfen, die Tür wieder zu verschließen.
Es erscheint dann Herr Dobrjanskyj und spricht das Hausrecht für den Säulengang (!) aus! Die anwesenden Polizisten beordern daraufhin die Leute manchmal freundlich, manchmal weniger freundlich aus dem Säulengang heraus. Das offene Eisentor wird wieder verschlossen und vier Polizisten davor postiert. Es wird von Herrn Dobrjanskyj berichtet, dass Herr Huber nicht vor MO zu erreichen sei und er nun die Kompetenz habe, gegebenenfalls (oder wie für den Säulengang geschehen) das Hausrecht auszusprechen. Uns fehlt ein Verhandlungspartner. Auch Herr Dobrjanskyj erklärt sich nicht bereit, in irgendeiner Weise mit uns zu kommunizieren, was die Situation betrifft.
Von der Polizei wird mitgeteilt, dass es allen (Dr)Außenstehenden verboten sei, das HGB zu betreten. Diejenigen, die sich innen befinden, haben kein Hausrecht ausgesprochen bekommen, die ausgeschlossenen BesetzerInnen aber schon – mehr oder weniger, da ja angekündigt worden sei, dass das Gebäude über die Weihnachtsfeiertage geschlossen sei. Damit wurde das heutige Abschließen begründet.
Diesem Punkt hinzuzufügen ist allerdings, dass die Ankündigung des Abschließens ja auch schon für den 24. Dezember bestand und es war bis in die frühen Morgenstunden des heutigen Tages kein Problem, in die Uni und zur Weihnachtsfeier zu kommen. Desweitern heißt es in den Regularien auch, dass die Uni offiziell um 22 Uhr zugesperrt wird und auch das ist in den letzten sechs Wochen der Besetzung nie geschehen. Wir stehen also wieder vor verschlossenen Toren. Zu ergänzen ist, dass die Tore nach diesem Geschehen zusätzlich mit Eisenketten und Vorhängeschlößern “gesichert” wurden. An der Ludwigstraße stehen zu diesem Zeitpunkt noch drei Sixpacks und weitere patrouillieren um den Uni-Komplex herum, was einzelne, darunter auch ich, etwas unschön erfahren sollten.
Auf dem Weg Adalbertstr.-Amalienstr.-Schellingstr. hält ein Polizeiwagen neben uns und die Polizisten fordern unsere Personalien, da das Schauen durch die Eisenstäbe der verschlossenen Tore ein Versuch ist, auf das Unigelände zu kommen! Auf die Frage, wieso eine solche “Aktion” (?!?) sie dazu berechtige, unsere Personalien aufzunehmen, wird erklärt, dass dies lediglich dazu diene, dass sie wüssten, wenn sie schon belehrt hätten, dass das Betreten der Uni verboten sei. Zwar stellt sich die Frage, wie das hätte geschehen sollen, da wir wussten, dass innen vor allen Türen Securities stehen und die 3m hohen Tore im Rock und Stiefeln eher schwer zu überwinden sind, aber es ging ja nur darum, dass die Polizei weiß, wen sie schon informiert hat. Achja, falls wir heute noch drinnen “aufgegriffen” würden, hätten wir mit einer Strafanzeige zu rechnen, wurden wir weiterhin informiert. Soviel zur “Informationsstrategie” der Polizei.


