Uni Mainz von Studierenden besetzt
Am Abend des 10.11. haben Studierende der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz das Atrium Maximum am Forum besetzt. Die Besetzer/innen wollen damit den Forderungen des Bildungsstreiks Nachdruck verleihen und einen freien und öffentlichen Raum schaffen zur inhaltlichen Diskussion über die aktuellen Veränderungen im Bildungssystem und zur Ausarbeitung von Gegenentwürfen für eine frei zugängliche, kritische, allgemeine, soziale Bildung und Gesellschaft.
Unsere Kritikpunkte sind:
Die Entdemokratisierung und Ökonomisierung der Hochschulen
Die geplanten Änderungen im Hochschulgesetz von RLP sehen weniger Mitbestimmungsrecht der (studentischen) Gremien und mehr Macht für die Präsidien vor. Dies bedeutet noch weniger Mitspracherecht für Studierende. Mit der Entmachtung der Gremien geht eine Ermächtigung des Hochschulrats einher. In diesem ist nach wie vor keine Vertretung der Studierenden verbindlich vorgesehen! Zudem setzt sich der Hochschulrat zu einem größeren Teil aus Vertreter/innen der Wirtschaft zusammen. Dies bedeutet zugleich mehr Einfluss aus der Wirtschaft auf die Universitäten.
Chronische Unterfinanzierung der Hochschulen
Der prozentuale Anteil für Bildungsausgaben sinkt jährlich. (Wäre der prozentuale Anteil der Bildungsausgaben am BIP 2008 so hoch gewesen wie 2005, hätten 13 Mrd. Euro mehr für die Bildung zur Verfügung gestanden.)
Durch die derzeitige Exzellenzinitiative konkurrieren die Hochschulen gegenseitig um Fördergelder. Dies führt letztendlich zur Herausbildung von wenigen Elite-Unis, auf welchen die zukünftigen Führungskräfte ausgebildet werden. Dies verstärkt die sozial Ungleichheit.
Schlechte Betreuungsverhältnisse
Seit den 70er Jahren haben sich die Betreuungsverhältnisse an den Hochschulen kontinuierlich verschlechtert. Die Anzahl der Studierenden pro Professor/in hat sich bis heute nahezu verdoppelt. Dies führt für viele Studierende entweder dazu, dass sie an einem völlig überfüllten Kurs teilnehmen müssen oder von Seminaren ausgeschlossen werden. Betroffen davon sind nicht nur Studierende, die ihr Studium möglichst zügig hinter sich bringen wollen, sondern auch BAföG-Empfänger/innen: Können sie nicht rechtzeitig ihre Scheine nachweisen droht ihnen die Kürzung ihrer finanziellen Mittel.
Überfrachtung der neuen Bachelor-Studiengänge / beschränkter Zugang zum Master
Die neuen Studiengänge sind teils nach wie vor überfrachtet. Für Studierende, die darauf angewiesen sind, neben dem Studium Geld zu verdienen, bedeutet das Dauerstress. Dies wirkt sich nicht zuletzt auf ihr Studium aus. Der Zugang zum Master ist größtenteils immer noch beschränkt.
Mangel an kostengünstigem Wohnraum
Das Studierendenwerk in Mainz plant für die nächsten Jahre die Schließung der letzten „günstigen“ Wohnheime. An ihre Stelle treten zwar Neubauten mit größeren Zimmern, jedoch liegen die Mietpreise etwa so hoch wie für eine Wohnung in der Stadt. Dies beutet, dass finanziell schlechter gestellten Menschen die Chance auf ein Studium verwehrt bleibt.
Internationale Besetzungswelle
Zur Zeit sind international etwa 20 Universitäten besetzt. Die sich ausbreitende Besetzungswelle von Hochschuleinrichtungen und Ministerien geht auf gravierende Probleme im Bildungsbereich zurück, welche sich international ähneln. Die Mainzer Studierenden erklären sich solidarisch mit den Besetzungen an den anderen Universitäten im Inland und der ganzen Welt.



#1 by Twitgeridoo on November 11, 2009 - 11:29 am
Meiner Meinung nach, kann jeder denkende Mensch diese Forderungen nur unterstützen!
Ich hoffe, dass ab dem 17.11. ein Ruck durch Deutschland gehen wird und dass sich alle Studenten, Schüler & Azubis am Bildungsstreik beteiligen werden!
Viele Grüße aus Bonn!
#2 by Hampit on November 11, 2009 - 4:05 pm
Rheinfranke im Westfälischen Exil sendet solidarische Grüße aus Münster.
#3 by tag x: 17. november on November 13, 2009 - 6:36 pm
2. Bundesweiter Bildungsstreik – Landesweite Demonstration „education is not for sale!“ am 17.11.2009 in Wiesbaden, 11 Uhr Hauptbahnhof
Die Verhältnisse an allen Bildungseinrichtungen werden durch die derzeitige Bildungspolitik immer weiter verschlimmert und sind so nicht länger hinzunehmen. An den Hochschulen machen die Verschulung durch Einführung der starren sowie fremdbestimmten Bachelor- und Masterstudiengänge, damit institutionalisierter Zeitmangel, schlecht ausgestattete Infrastruktur, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und der finanzielle Druck durch bestehende bzw. überall immer wieder drohende Studiengebühren ein freies, selbstbestimmtes Lernen und Leben für Studierende, Lehrende und Angestellte unmöglich.
Viel zu große Klassen, zu wenig und teils nicht pädagogisch ausgebildetes Lehrpersonal, steigender Leistungsdruck, soziale Selektion und fehlende Entfaltungsmöglichkeiten machen zudem die Schule zu einer unbeliebten Institution, die sich massiv auf die Psyche und den Lebensstandard der Schüler_innen auswirkt. Freien Zugang zu Bildung gibt es kaum, an der Schule wird bereits nach der 4. Klasse selektiert und eine Ausbildungsplatzgarantie fehlt vollständig.
Um diese nicht hinnehmbaren Missverhältnisse im ganzen Bildungssystem zu verbessern, demonstrierten bereits im Juni 2009 bundesweit mehr als 270.000 Schüler_innen, Studierende, Auszubildende und weitere von der Bildungsmisere Betroffene gemeinsam.
Einige Monate sind seitdem in Deutschland vergangen, geändert hat sich jedoch nichts. Eine neue Koaltion glaubt mit der Vergabe von Stipendien oder der Deklarierung von Kindergeld als Bildungsausgaben etwas für die Bildung zu tun. Das Motto ist jedoch wieder Elitenförderung statt Bildung für alle. Die Kultusminister_innen haben zwar erkannt, dass der Bologna-Prozess auf viel Ablehnung stößt, haben aber wieder nur schwammige Versprechen und vertröstende Ausreden zur Hand.
Seit über einer Woche haben Studierende in Deutschland begonnen, zentrale Hörsäle in Hochschulen wie Potsdam, Münster, Heidelberg, Marburg, München, Paderborn, Darmstadt, Mönchen-Gladbach, Greifswald, Dresden, Osnabrück, Berlin und Tübingen zu besetzen. (Infos und Organisation auf unsereunis.de) Weitere Besetzungen sind geplant und passieren täglich. Schon davor wurden in ganz Österreich Universitäten besetzt, allen voran das AudiMax in Wien. Die diversen Bildungsstreikbewegungen solidarisieren und internationalisieren sich somit zusehends.
Um sich diesen internationalen Demokratisierungsprozessen anzuschließen und den jeweiligen Forderungen Nachdruck zu verleihen, fordern wir zusammen: Bildung muss selbstbestimmt, demokratisch und für alle frei zugänglich sein, und zwar auf allen Ebenen des Bildungssystems! Landesweit, Bundesweit und Weltweit!
Konkreter fordern wir:
• selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck
• freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren
• öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft unter anderem auf Lehrinhalte, Studienstrukturen und Stellenvergabe
• Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen, unter anderem durch die gleichberechtigte Besetzung aller Entscheidungsgremien durch die Statusgruppen in allen Bildungseinrichtungen.
Wir rufen daher Studierende, Schüler_innen, Lehrer_innen, Dozent_innen Erzieher_innen, Professor_innen, Auszubildende, Eltern und andere von der Bildungsmisere Betroffene auf, am 17.11. gemeinsam mit Menschen in ganz Deutschland auf die Straße zu gehen und für die Umsetzung dieser Forderungen zu demonstrieren.
Kommt am Dienstag, den 17.11. um 11 Uhr zum Hauptbahnhof Wiesbaden und protestiert kreativ mit bzw. informiert euch über Aktionen vor Ort durch die Bildungsstreik-Internetseiten! (siehe Links unten)
Zusätzlich bzw. alternativ besteht an dem Tag lokal die Möglichkeit, den Bildungsstreik durch die Unterstützung des Frankfurter Sternmarsches der Schüler_innen schon früher und intensiver beginnen zu lassen. Nähere Infos gibts auf der Seite des Jugendbündnisses ( http://www.jugendbuendnis-ffm.de ), auf dem sich auch eine wunderschöne Demo-Routenkarte finden lässt.
Schlussendlich möchte dieses digitale Flugblatt weiterverbreitet werden. Sagt also euren Freund_innen, Kommoliton_innen, Mitschüler_innen, anderen Aktiven und Betroffenen Bescheid, verteilt den Aufruf in Verteilern, in sozialen Netzwerken, auf den Streikseiten, den Straßen und klebt ihn an alle Wände.
gezeichnet:
- Die dezentrale Klebestelle für digitale Plakate und Flugblätter zum Bildungstreik 2009_Hoch2 Plus X
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Termine:
- 17. November 2009: Dezentrale, bundesweite Bildungsstreik-Demonstrationen
für Hessen gilt an diesem Tag zentral: Wiesbaden, 11 Uhr Hauptbahnhof
und in allen Städten, wo sich spontan etwas bildet und ausgerufen wird (es liegt an euch…)
- ab sofort: bunte Bildungsstreik-Aktionswochen mit bundesweiten und internationalen Besetzungen
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Links:
http://www.asta.uni-frankfurt.de/aktuell/_node/show/3023775.html
http://www.unsereunis.de/
http://www.jugendbuendnis-ffm.de/1.html
http://www.schulaction.org/
http://www.bildungsstreik.net/
http://unsereuni.at/
http://www.uebergebuehr.de/
http://emancipating-education-for-all.org/
#4 by Idus on November 14, 2009 - 9:24 pm
Würde gern zur Mainzer Demo am 17.11. kommen, wo sind die lokalen Startpunkte?
#5 by Bolle on November 15, 2009 - 1:09 pm
Treffpunkt ist um 11:00 Uhr am Hauptbahnhof
Mehr Info: http://mainz.akprotest.de/
#6 by Caro on November 15, 2009 - 9:30 pm
Ich finde das ne Sauerei! Soll auch Leute geben, die STUDIEREN wollen und nicht blöd rumhocken!!! Ist nicht jeder Soziologiestudent im 30. Semester…
#7 by Idus on November 16, 2009 - 10:37 am
Danke für die Treffpunkt-Info! Werde da sein.
Zum obigen Post: Hauptsache, man hat (s)ein klares Feindbild.
#8 by Chris on November 17, 2009 - 10:46 pm
Wegen des Streik fällt die Jobmesse und das gesamte Rahmenprogramm aus! Habe eben die E-Mail bekommen. Finde ich ziemlich scheiße von Euch!
#9 by Mainzer Studi on November 18, 2009 - 5:53 pm
Hi Chris, ich glaube da kannst du dich eher beim Präsi bedanken, lies mal das hier: http://mainz.akprotest.de/2009/11/erklarung-zur-jobmesse/
#10 by Christoph on November 24, 2009 - 12:09 pm
Die streikenden Studenten in Mainz haben ihren Universitätspräsidenten Georg Krausch am Dienstag in einem Brief aufgefordert, für einen offenen Dialog bei der Hochschulrektorenkonferenz zu werben. In dem Schreiben bedanken sie sich auch bei Krausch, der am Dienstag die Konferenz in Leipzig besucht, für seine Gesprächsbereitschaft. “Hier in Mainz ist ein in der Bundesrepublik einmaliger Raum geschaffen worden, um den Dialog zwischen Studierenden und Verantwortlichen ergebnisoffen, konstruktiv und strukturiert zu gestalten”, heißt es in dem Brief.
Könnte man besagten Brief bitte mal hier zum Nachlesen einstellen?
Sehr verbunden
Christoph
#11 by Uwe-Christian Kunstreich on December 9, 2009 - 2:24 am
Weiter so mit dem Mainzer Weg der Studierenden und Studentinnen. Respekt !
#12 by Larue Arwood on December 6, 2010 - 5:29 am
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