Was ist überhaupt passiert?
Am Mittwoch den 18.11. versammelten sich ca. 200 Studierende auf dem Platz der Verfassten Studierendenschaft (BIB Vorplatz), um für bessere Studienbedingungen zu demonstrieren. Dann gingen wir zu der Verwaltung, um unserem Präsidenten unser Forderungspapier zu überreichen. Auf dem Weg zum Präsidium schlossen sich noch viele Studierende dem Protestzug an, sodass 400 Personen in die Verwaltung drängten. Um einen Dialog mit allen Beteiligten zu ermöglichen, gingen wir in den HS1. Nach einer unbefriedigenden Diskussion beschlossen wir, im Hörsaal zu bleiben, um eine Plattform für unsere weitere Arbeit zu
schaffen und Druck auf die zuständigen Stellen auszuüben. In den letzten Tagen haben wir sowohl inhaltlich, als auch an unserer Organisation gearbeitet und einen Rahmen geschaffen, in dem jeder und jede seine Anliegen vortragen kann. Täglich um 10.30 Uhr findet ein Morgenplenum statt, in dem Ideen und Anträge eingebracht werden können. Diese werden im Anschluss in Arbeitsgruppen bearbeitet. Im Nachmittagsplenum um 16.30 Uhr werden die Arbeitsergebnisse präsentiert und diskutiert. Diese basisdemokratische Struktur ermöglicht es jedem und jeder, eigene Vorstellungen
einzubringen. Zusätzlich ist es jederzeit, auch außerhalb der Plenumszeiten, möglich, eigene Ideen schriftlich einzubringen. Alle Fragen, Ideen und Wünsche könnt ihr gerne auch an vernetzung@asta-kassel.de senden. Diese Struktur hat es unter anderem ermöglicht, verschiedene Flyer und Positionspapiere zu entwerfen, die sich entweder an Studierende, SchülerInnen oder an die Allgemeinbevölkerung richten. Außerdem haben wir für eine breite Internetpräsenz gesorgt.
Unsere Informationen erhaltet ihr beispielsweise unter: http://tinyurl.co/kasselbrennt, oder http://www.kritischeuni.de Unter anderem wurden auch verschiedene Aktionen (Demonstrationen, Aktionstheater) geplant und durchgeführt. Auch im Eingangsbereich hat sich seit Mittwoch einiges getan. Es gibt einen Informationstisch, Plakate der Arbeitsgruppen, und an einer Wand hängen unsere erarbeiteten Schriften und Presseberichte. Unser Engagement hat in der kurzen Zeit schon viele Solidaritätsbekundungen hervorgerufen. Angefangen beim Zuspruch des Präsidiums mit dem Inhalt unserer Forderungen, über den Oberbürgermeister, der unsere Forderungen nach Wiesbaden tragen will, bis hin zu den Gewerkschaften und lokalen Politikern der Grünen und der SPD, die uns nicht nur mit Materialien zur Seite stehen, sondern auch unsere Sache unterstützen. Auch lokale Betriebe spenden Lebensmittel und andere Dinge, die uns einen erfolgreichen Protest ermöglichen sollen. Was wollen wir? Wir fordern sowohl Verbesserungen auf Ebene unserer Universität, als auch bildungspolitische Verbesserungen auf Landes- und Bundesebene. In erster Linie fordern wir, dass dem Bildungssektor wesentlich mehr Geld zur Verfügung gestellt wird. Denn nur wenn hier mehr investiert wird, können die prekären Bildungs- und Beschäftigungsbedingungen verbessert werden und unsere Forderungen erfüllt werden.
→ Wir fordern die Überarbeitung der modularisierten Studiengänge! Weniger Pflichtveranstaltungen, mehr freie Kurswahl und weniger Prüfungen.
→ Wir fordern die Gebührenfreiheit unserer Bildung – Gegen Studiengebühren und alle sonstigen Bildungsgebühren.
→ Wir fordern die Abschaffung aller Anwesenheitslisten! Diese geben, wenn überhaupt, nur Auskunft über die physische Anwesenheit und verschlimmern die angespannte Raumsituation.
→ Wir fordern, dass mehr Personal, vor allem im Lehrbetrieb, eingestellt wird und
die prekären Beschäfftigungsverhältnisse beendet werden. → Wir fordern wirkliche Mitbestimmung in den Hochschulgremien durch Viertelparität. → Wir fordern die Abschaffung der Zulassungsbeschränkungen durch die Schaffung von genügend Studienplätzen.
→ Wir fordern die Vereinfachung der Studienorganisation und eine Vereinfachung der Onlineplattformen der Universität!
→ Wir fordern die Freiheit der Forschung und Lehre, ohne die Einflussnahme der
Industrie und Wirtschaft! Alle Forderungen kannst du gerne Online nachlesen.
Wieso solltest du auch kommen?
Der Protest formiert sich aus der gesamten Studierendenschaft und es liegen weder allgemeinpolitische Forderungen noch Einzelinteressen von Fachbereichen zugrunde. Es geht um unsere Bildung! Die Plenumssitzungen haben gezeigt, dass sich aus allen Fachbereichen Studierende an den Diskussionen beteiligen und damit zeigen, dass diese Probleme
an der gesamten Universität existieren. Und wir in der Universität Kassel stehen nicht alleine da. An über 60 Universitäten sind Räumlichkeiten von AktivistInnen besetzt. Wenn du Ideen hast, Fragen loswerden möchtest oder einfach nur zeigen möchtest, dass es so nicht weiter gehen kann, dann besuche uns im HS1. Denn nur du kannst das Bildungssystem verändern!
Warum wird jetzt Hörsaal VI besetzt?
Gestern Nacht beschloss das Kasseler Streikplenum von Hörsaal I in den Hörsaal VI in der Arnold-Bode Str. 12 umzuziehen. Die Studierenden begründeten die Entscheidung mit der Notwendigkeit die inzwischen eingefahrene Situation zu lösen und weitere Schritte nach vorne zu gehen.
Um die eingefahrene Situation des Kasseler Bildungsstreiks wieder in konstruktivere Bahnen zu lenken, besetzten Studierende unterschiedlichster Fachbereiche Freitag früh gegen 6:30 Uhr Hörsaal VI (HS VI) an der Universität Kassel. Der Entscheidung waren kontroverse Diskussionen vorausgegangen. Seit vergangenen Montag hatten die Streikenden die Besetzung von Hörsaal I (HS I), den größten Hörsaal der Universität, nur noch eingeschränkt fortgeführt. Anstatt die Vorlesungen komplett zu blockieren beanspruchten sie die erste viertel Stunde der Veranstaltungen um die
Studierenden, die nicht am Streik teilnahmen durch Videos, Pressebeiträge und die Vorstellung von Kritik und Forderungen aufzuklären und so eine breitere Unterstützungsbasis zu schaffen. Das Mittags-, Abendplenum und die alltäglichen Besetzungsstrukturen blieben weiterhin in HS I bestehen. So waren Aktivist*innen auch während den Vorlesungen im Raum präsent.
Dieser Weg zeigte deutliche Erfolge. So konnten verschiedene Fachschaften, u.a. der Wirtschaftswissenschaftler*innen und Sprachwissenschaftler*innen für den Streik gewonnen werden. Der Fachschaftsrat 07 (Wiwi) verabschiedete eine Solidaritätserklärung, die die eingeschränkte Besetzung als angemessene Form begrüßte. Eine Unterschriftenliste, mit inzwischen über 3000 Unterschriften schafft zusätzliche Unterstützung für die Streikenden.
Situation treffend: „Ich kann so nicht arbeiten!“



#1 by Emanuel Brociner on December 6, 2010 - 4:06 am
I’d have to come to terms with you on this. Which is not something I usually do! I really like reading a post that will make people think. Also, thanks for allowing me to comment!