Protest zwingt Fakultätsrat zum Entgegenkommen – Studierenden heben Blockade teilweise auf
Mittwoch an der Universität Hamburg: Studierende bringen ihre Forderung nach der Nachbesetzung von vier offenen Professorenstellen im Fachbereich Sozialökonomie erfolgreich in den Fakultätsrat. Zuvor wurde drei Tage lang ein komplettes Unigebäude besetzt. Am Mittwochabend um 19:30 Uhr wurde im Besetzungsplenum von den Studierenden mehrheitlich die freiwillige Freigabe des Zugangs zu den Verwaltungsbüros beschlossen. Die Studierenden stehen damit zu ihrem Wort und zeigen Gesprächsbereitschaft. Der Studienbetrieb wird weiterhin bestreikt.
Obwohl die HWP fest in der Hand der streikenden Studierenden bleibt, wird der Verwaltungsbetrieb nicht mehr blockiert. Am späten Abend wurde aufgrund des Drucks von 250 anwesenden Studierende vom Fakultätsrat Wirtschafts- und Sozialwissenschaften die Einsetzung einer Kommission zur Stellennachbesetzung zugesagt. Wir sehen die Zusage als großen Erfolg , so der Student Roland Sieber. Die Studierenden wollen die Entwicklung kritisch begleiten und bei Nichteinhaltung die Komplettblockade fortsetzten.
Forderungen an den Fakultätsrat:
Hamburg. Das Plenum der Besetzer der ehemaligen Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP), hat heute seine Forderungen gegenüber dem Fakultätsrat der Universität Hamburg, im Hörsaal der HWP (öffentlicher Teil der Sitzung wurde hierhin verlegt) aufgestellt. Die Forderungen lauten:
Wir, die Studierenden des Fachbereichs Sozialökonomie, führen diesen Streik für den Erhalt unseres Fachbereichs und die Verbesserung unserer prekären Studiensituation. Durch die Nichtbesetzung der vier offenen Professuren im Fachgebiet Recht in unserem Fachbereich Sozialökonomie sehen wir den Studiengang Sozialökonomie in der jetzigen Form in Gefahr.
Aus diesem Grund unterstützen wir die Forderungen unserer ProfessorInnen, welche die Besetzung dieser Stellen ebenfalls einfordern. Wir sind bereit umgehend den Verwaltungstrakt freizugeben, wenn wir eine verbindliche, schriftliche Zusage des Fakultätsrates erhalten, dass er sich aktiv mit all seinen Mitteln für die schnellstmögliche (Ausschreibung bis Ende 2009) Besetzung dieser Stellen im Fachbereich Sozialökonomie, durch den Fachbereich Sozialökonomie, einsetzt. Darüber ist den Studierenden regelmäßig öffentlich und schriftlich Rechenschaft abzulegen.
Anwesend waren 21 Vertreter des Fakultätsrates und ca. 250 Studierende der HWP.



#1 by Mit der Gesamtsituation unzufrieden on November 26, 2009 - 11:20 am
Auf der Fakultätsseite war gestern Abend online, dass VMP 9 morgen wieder für Verwaltung geöffnet sei. Ich gehörte halt zu den Dummen die dachten, heute fänden auch wieder Vorlesungen statt. Es wär auch zu schön gewesen.
Ich kann es einfach nicht verstehen. Die Verwaltung hat wieder Zutritt zum Gebäude FB Sozialökonomie und die Fakultätsleitung hat erreicht was sie wollte. Wieso wird jetzt ein Besetzung des gesamten Gebäudes weitergeführt, der nur euren Kommilitonen schadet?
Das Audimax ist doch besetzt. Wer streiken möchte, kann sich dort beteiligen so viel er möchte. Ich habe das Gefühl, an unserem FB Sozialmökonomie studiert eine Minderheit von Personen, die eigentlich garnicht an der Bildung interessiert ist. Ob Soziologiestudium oder VWL – ist doch eigentlich egal – Hauptsache es kann dauernd mit unsinnigen Forderungen protestiert werden. Es gibt Studenten, die stellen sinnvolle Forderungen auf, wie z.B. die Forderung nach einer Reform von Bachelor und Master. Es wird dagegen mit adäquaten Mitteln vorgegangen, wie z.B. der Besetzung des Audimax. Die Besetzung eines ganzen Gebäudes unter Duldung der Universitätsverwaltung und somit alleiniger Schädigung der Kommilitonen macht uns zum Gespött der ganzen Universität. Schon letztes Semester gab es dieses ganze Theater und langsam machen die Besatzer uns lächerlich. Der ganze Campus lernt, nur wir werden von unseren eigenen Kommilitonen ausgeschlossen.
Ich schäme mich für die Besatzer – die Kommilitonen meines eigenen Fachbereichs, die sich selbst als “Campusguerilla” bezeichnen.
Es gab eine Unterschriftenaktion für die Neubesetzung der Professorenstellen, die ich selbst unterschrieb. Unser Begehren wäre auch demokratisch durchsetzbar gewesen. Die Forderung nach einer eigenständigen HWP ist Unfug von “ewig Gestrigen”. Sinnvolle Zusammenarbeit ist viel wichtiger als dieser kindische Professorenstreit um Grundannahmen der VWL.
Ich sehe nicht ein, wieso die Streikgegner jetzt verantwortlich sind, sich zu organisieren und im Plenum dagegen zu stimmen. Schließlich war schon die anfängliche Streiktabstimmung undemokratisch und inakzeptabel und ein sofortiges Streikende eigentlich selbstverständlich.
#2 by X on November 26, 2009 - 2:23 pm
Richtig ! Stimme dir vollkommen zu.
#3 by von wegen unzufrieden on November 26, 2009 - 2:25 pm
Ganz ehrlich, es steht jedem frei gegen die Besetzung im täglichen Plenum zu stimmen. Solange die Gegner des Streiks sich dort nicht gemeinsam versammel (sofern es wirklich die Mehrheit ist) und da gegen stimmen, kann ich nur sagen selbst Schuld. Eine demokratische Abstimmung, kann somit auch nicht als undemokratisch betitelt werden nur weil sich Leute nicht an dem Abstimmungen beteiligen. Bei sämtlichen anderen Wahlen werden die “Nicht-Wähler” auch nicht berücksichtigt und es wird keine riesen Hype darum veranstaltet. Also nehmt doch erst einmal eure demokratischen Rechte wahr (im Plenum zu erscheinen und mit abzustimmen) bevor ihr immer von undemokratisch und nicht unsere Entscheidung redet.
#4 by Mit der Gesamtsituation unzufrieden on November 26, 2009 - 5:12 pm
Die Reihenfolge wurde aber leicht verwechselt.
Zuerst wurde in einer Nachtaktion dichtgemacht und dann wurde gefragt: “Sollen wir aufmachen?”. In einer Demokratie läuft das mit einer Einladung zu einer Vollversammlung und einer Abstimmung mit heterogener Gesamtheit der Studierenden.
Das ist sonst wie auf einer Vegetarierdemo abstimmen zu lassen, ob der Fleischverzehr verboten werden sollte.
Es läuft nicht mit einer Barrikade über Nacht und einer Begründung “Gefahr im Verzug”. Das ist allenfalls autoritär.
#5 by von wegen unzufrieden on November 26, 2009 - 11:29 pm
Klar die Reihenfolge kann man in Frage stellen da stimme ich zu. Und wenn über den Willen Mehrerer entschieden wird ist es nicht unbedingt die beste Variante. Ich allerdings sehe es eher etwas entspannter, da meiner Meinung nach eine angekündigte Besetzung auch ihren Sinn verfehlt bzw. sich selbst in Gefahr bringt zu scheitern, auch wenn sie von der Mehrheit vorweg legitimiert wurde. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass die Entscheidungsfindung zur Besetzung nicht einfach war und man sich lange darüber beraten hat. Im Endeffekt sah man dann allerdings einen akuten Handlungsbedarf und beschloss sich die Legitimation nachträglich zu holen (ob dies die richtige Vorgehensweise ist sei mal dahingestellt). Positiv dabei anzurechnen finde ich das die Besetzer sich für diese Handlungsweise entschuldigt haben. Hier wurde halt ein Stein ins rollen gebracht der sich aber jederzeit aufhalten lässt. An dieser Stelle möchte ich aber noch einmal auf das täglich um 12 Uhr stattfindende Plenum verweisen. Hier kann jeder mit abstimmen wie es weiter geht. Im ersten Plenum am Montag um 10 Uhr wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass die Besetzung solange dauert bis die Forderungen erreicht wurden (vielleicht etwas fragwürdig da es Forderung sind die teilweise einen längeren Prozess beschreiben, wobei die Zusicherung der Umsetzung wohl schon reichen würde) ODER die Legitimation nicht mehr gegeben ist. Die Legitimation wäre unter anderem nicht mehr gegeben wenn die Gegner der Besetzung die Mehrheit der Studierenden des FB Sozialökonomie ausmachen und dies auch in einer Abstimmung mit möglichst allen Studierenden gelten machen würden. So lange dies nicht geschieht wird sich an der aktuellen Situation wohl nichts ändern.
Also an ALLE (nicht nur meine Vorredner) beteiligt euch an den Abstimmungen und steht zu eurer Meinung und verkündet nicht immer euren Missmut nur im Internet in Form von Kommentaren.