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Erste Pressemitteilung aus Frankfurt
Erster Tag der Aktionswoche ein voller Erfolg
Pressemitteilung der Besetzer_innen aus dem Casino
Im besetzten Casino am Frankfurter I.G. – Farben Campus läuft das studentische Protestprogramm auf Hochtouren. Mit über 20 Workshops und ungefähr 800 Besucher_innen war der erste Tag im „neuen Studierendenhaus“ für die Studierenden ein voller Erfolg. Sie hatten am Montagnachmittag das Universitätsgebäude besetzt, um eine inhaltliche und kritische Diskussion über bildungspolitische Themen zu führen, sie in ihrem gesellschaftlichen Kontext zu betrachten und Veranstaltungen einen Raum zu geben, die im normalen Unialltag keinen Platz finden.
Mehrere Dutzend Dozent_innen unterstützen die Studierenden und organisieren Veranstaltungen zu Themen wie „Der Elitediskurs in der aktuellen Hochschulpolitik“ oder „Neoliberalismus und Hochschulpolitik“. Die Studierenden organisieren sich in mehreren Arbeitskreisen, kochen für alle gegen Spende und treffen sich jeden Abend zum gemeinsamen Plenum.
Die Besetzung sei nicht bloß eine Protestaktion, vielmehr eigne man sich Räume an, um eine längst überfällige Diskussion zu führen. Die Studierenden machten dabei klar, dass es ihnen nicht um bloße Korrekturen in der Bildungspolitik geht: „Wir müssen uns fragen, ob wir nur über das ‚wie‘ und nicht vor allen Dingen über das ‚ob‘ von Konkurrenz, Leistungswahn und Standortpolitik reden wollen“, so Markus Niemeier vom AK Presse des Protest-Plenums.
Schon auf der gestrigen Vollversammlung hatten sich die Studierenden in einer Resolution grundsätzlich gegen die aktuellen politischen Paradigmen ausgesprochen und sich ausdrücklich von „äußerst merkwürdigen Verbrüderungsszenen“, z.B. mit Annette Schavan, distanziert. In der Resolution heißt es unter anderem: „Wir stehen nicht an der Seite derer, die als Protestler oder Politiker deswegen Bildungspolitik betreiben, damit Deutschland in der internationalen Konkurrenz besser dasteht. Wir sind nicht hier um unsere eigenen Karrierechancen zu verbessern. Weder mit unseren Kommilitonen und Kommilitoninnen, noch mit irgendwem anders, an anderen Hochschulen, in anderen Bundesländern, oder in anderen Ländern wollen wir konkurrieren.“
Auf die Vorwürfe des Unipräsidiums reagierten die Besetzer_innen gelassen. „Hier wird in altbekannter Frankfurter Manier versucht, Skandalisierungspolitik zu betreiben und unsere Anliegen zu delegitimieren. Dass dem Präsidium nichts Besseres zum Bildungsstreik einfällt, als ein paar bemalte Wände als Vandalismus zu bezeichnen, ist absurd. Hier werden Mücken zu Elefanten gemacht, um vom Thema abzulenken und den Protest zu spalten.“ Der aktuelle Skandal am I.G.-Farben Campus bestünde vielmehr darin, dass die Studierenden immer noch nicht über selbstverwalteten Raum verfügen. „Das haushaltspolitische Argument, wir würden der Studierendenschaft Kosten verursachen, ist hingegen eine dreiste Unverschämtheit, die uns gegeneinander ausspielen soll. Eine Unileitung, die größenwahnsinnige Schlösser bauen lässt, sollte aufhören, ihre Studierendenschaft für dumm zu verkaufen und nicht immer dann die Haushaltskarte ins Spiel bringen, wenn es um Kritik, Protest und
Nonkonformismus geht.“ so eine weitere Sprecherin des AK‘s.
Für Informationen stehen wir Ihnen jederzeit unter folgender Nummer zur Verfügung
01522 – 597 39 45
Weitere Infos und die Resolution der Vollversammlung finden sie unter
www.bildungsstreik-ffm.de
Resolution der studentischen Vollversammlung der Uni Frankfurt
Resolution
Resolution der studentischen Vollversammlung der Uni Frankfurt beschlossen am 30.11.2009
- Unser Protest richtet sich gegen die aktuelle Bildungspolitik im Ganzen und nicht um kleine Nachbesserungen wie die Erweiterung des Bachelor auf vier Jahre oder die Abschaffung von Anwesenheitslisten. Wir wollen nicht unsere studentischen Privilegien verteidigen, sondern das Ende des Privilegs der Bildung für wenige. Wir treten für eine offene Hochschule ohne Zäune, Gebühren, Rassismus, Sexismus und Leistungsdruck sowie für den freien Zugang zu Hochschulbildung für alle ein.
- Bildung kann für uns nicht bedeuten, sich fremden Zwecken unterzuordnen und sich für diese ausbilden zu lassen. Bildung bedeutet wesentlich selbständige Reflexion und Kritik. Daher lassen uns die Solidaritätsbekundungen von Annette Schavan und Co kalt. Sie wollen höchstens teilweise das Richtige und das immer aus den falschen Gründen
- Wir stehen nicht an der Seite derer, die als Protestler oder Politiker deswegen Bildungspolitik betreiben, damit Deutschland in der internationalen Konkurrenz besser dasteht. Auch wenn die Gesellschaft uns vielleicht dafür bestraft: Wir sind nicht hier um unsere eigenen Karrierechancen zu verbessern. Weder mit unseren Kommilitonen und Kommilitoninnen, noch mit irgendwem anders, an anderen Hochschulen, in anderen Bundesländern, oder in anderen Ländern wollen wir konkurrieren. Es geht uns nicht um die Stärkung des Standorts Deutschlands durch eine Stärkung der Ressourcen Bildung und Wissenschaft. Es geht uns nicht um das starke Deutschland, sondern um jeden einzelnen Menschen auf dieser ganzen verdammten Welt!
- An der Hochschule des 21. Jahrhunderts ist weder Zeit noch Raum für ein selbständiges Studieren, politisches und kulturelles studentisches Engagement, überhaupt demokratische und selbstbestimmte Ziele vorgesehen. Wir müssen uns daher beides nehmen!
Frankfurt brennt endlich!!!
Gestern (Mo, 30.11.) wurde bei einer Vollversammlung im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche des Bildungsstreik-Bündnisses in Frankfurt der Streik-Zustand per Resolution ausgerufen und im Anschluss das “Casino”-Gebäude auf dem I.G. Farben-Campus von ca. 600-700 Streikenden besetzt, um sich Zeit und Raum für die Aktionswoche zu verschaffen.
Direkt nach der Besetzung bildeten sich AKs und um 19 Uhr kam es zum ersten großen Protestplenum, dass täglich stattfindet. Bereits im Vorfeld der Besetzung arbeitete ein AK des Protestplenums ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm aus, so dass wir die besetzten Räumlichkeiten für über 70 Workshops in dieser Aktionswoche nutzen.
Das Uni-Präsidium signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft.
Eine ausführliche PM, unsere Forderungen, etc. folgen in den nächsten Tagen!


