Berliner Oberschule besetzt


Schüler_innen der Albert-Einstein-Oberschule besetzen ihre Aula. In den letzten Wochen haben in ganz Europa Studierende ihre Hörsääle besetzt, um für ein Umdenken in der Hochschulpolitik einzutreten.
Wir Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Oberschule wollten uns das zum Vorbild nehmen und haben den größten und prestigeträchtigsten Teil der Schule zu unserem Freiraum erklärt: die Aula. Wie an den meisten Berliner Schulen gibt es in der Albert-Einstein-Oberschule bauliche Mängel: unsere Toiletten sind eine Zumutung, die Heizungen sind veraltet und fielen im vergangenen Frühjahr zusammen mit dem Unterricht eine Woche lang aus; die um Raummangel zu überbrücken in den siebziger Jahren gebauten Pavillons stehen immer noch und werden nach wie vor genutzt – aus dem Boden wachsen inzwischen Bäume und trotzdem werden wir dort unterrichtet. Ebenso der Raummangel ist dafür verantwortlich, dass unserer Aufenthaltsraum zum Kursraum umfunktioniert wurde. Unsere Cafeteria ist seit Jahren “in Planung”, wirklich gesundes Essen in der Schule ist aber noch nicht in Sicht – es gibt viele kleine Mängel in unserer Schule, die uns das Lernen schwer machen.

Wir haben in den vergangenen Jahren viele “Bildungstreiks” erlebt und Schülerinnen und Schüler auf die Straße gehen sehen und trotzdem mussten wir weiter mit diesen Zuständen leben. Ähnlich wie die Studierenden war das Ziel unserer Besetzung weniger das Lahmlegen des Schulbetriebs oder die Unterbrechung des Lehren und Lernens, vielmehr geht es uns um das eindeutige Signal, dass endlich etwas passieren muss, um uns die wichtigste Aufgabe der Schule schmackhafter zu machen: das Lernen. Wir haben beschlossen, unsere eigene Aula zu nutzen, um unsere Bedürfnisse nachdrücklich zum Ausdruck zu bringen. Es geht uns darum, für existierende Probleme verträgliche Lösungen zu finden. Wir alle stehen unter einem großen Leistungsdruck, ob wir im 13. Jahrgang kurz vor dem Abitur stehen, oder in der 10. Klasse unseren mittleren Schulabschluss machen, ob wir im Jahrgang der Abiturumstellung mit doppelt soviel Abiturienten auf den “Markt” kommen, wie gewöhnlich, oder uns schon in der 7. Klasse mit langen Schulzeiten plagen. Gerade deswegen ist es unser Anliegen, all jene, die Klausuren und Arbeiten schreiben müssen, trotz Besetzung Klausuren und Arbeiten schreiben zu lassen. Es ist unser Anliegen, den Unterricht nicht zu blockieren, sondern die Schüler/innen zu unterstützen. Hier geht es darum zu helfen: wir versuchen Nachhilfeangebote für alle verpassten und eventuell nachzuholenden Inhalte zu organisieren, uns jedoch auch gemeinsam Gedanken über eine mögliche schulische Zukunft zu machen. Wir nutzen den Freiraum “Aula”, um das, was in der Gesellschaft Demokratie genannt wird, am eigenen Leib zu erfahren. Wir wollen partizipieren und unsere Schule selber gestalten.

Heute befanden sich circa 300 Schülerinnen und Schüler in der Aula, um diese Dinge zu diskutieren und sich ernsthaft mit ihrer jetzigen und kommenden Situation auseinander zu setzen. Im großen Plenum und in kleinen Arbeitsgruppen wurde viel über unsere Schule, wie wir sie wahrnehmen, gesprochen. Wir haben uns aus der Schülerschaft heraus intensiv mit bestehenden Problemen auseinandergesetzt und uns bemüht Kernforderungen zu formulieren:

- Lehrerinnen und Lehrer:
_ es werden mehr Lehrer_innen benötigt, um kleinere Klassen zu gewährleisten
_eine Möglichkeit der Schüler, Feedback über die individuelle Lehrfähigkeit zu geben

- Mittelverteilung
_ wir fordern eine Mitbestimmung bei der Vergabe von finanziellen Mitteln (Bsp.: Toiletten sind extrem verschmutzt und baufällig, Schüler_innen wünschen sich seit Jahren die Sanierung, während viel Geld für den Informatikbereich ausgegeben wurde)

- Abitur
_ Schülerinnen und Schulen müssen die Auswahl haben, ob sie ihr Abitur in 12 oder 13 Jahren machen

- Mitbestimmung
_ Demokratisierung der Strukturen auf allen Ebenen (Bsp.: Wahl des Schulleiters, der Referendare/zukünftige Lehrer_innen, etc.)

Wir sind auch am Abend und in der Nacht, auch aufgrund positiver Verhandlungen mit unserem Direktor und den Lehrer_innen noch in der Schule und werden hier übernachten. Morgen hätten alle Schüler_innen frei, da unsere Lehrer_innen ihren Studientag stattfinden lassen, haben jedoch beschlossen, hier unser alternatives Programm während der Besetzung weiterzuführen. Wir werden über Lösungsmöglichkeiten aus der Bildungsmisere debattieren, ebenso über grundsätzliche Probleme des Bildungssystems.

Wir hoffen, ein ähnlich gutes Vorbild zu sein, wie es die Studierenden für uns waren. Wir fordern niemanden auf in unsere Schule zu kommen und sie mit uns zu besetzen, sondern hoffen, dass Schülerinnen und Schüler, die sich nach ähnlichen Freiräumen sehnen, den Mut haben sich diesen friedlich und solidarisch zu erkämpfen.

Wir streiten nicht gegen, sondern für unsere Schule!

http://de.indymedia.org/2009/11/266169.shtml

  1. #1 by Albert on November 18, 2009 - 2:51 pm

    Max ist 16 Jahre alt und besucht eine Berliner Oberschule
    Er leidet unter enormen Leistungsdruck und Stress .
    Die Mittel die dagegen helfen, werden ihm vom Staat verwehrt.
    Weil Max nur einer von vielen ist , haben wir unsere Schule besetzt !
    Und weil wir nur wenige von vielen sind, brauchen wir EUCH !

    Kommt in die Aula der Albert-Einstein-Oberschule am U Bahnhof Pachimer Allee 109-111.

    16:00 Workshops
    18:30 Podiumsdiskusion
    20:00 Konzert

  2. #2 by Osna on November 18, 2009 - 2:51 pm

    Solidarische Grüße aus Osnabrück. Nur wenn wir alle zusammen kämpfen erreichen wir auch was

  3. #3 by Albert on November 18, 2009 - 2:52 pm

    Max ist 17 Jahre alt und besucht eine Berliner Oberschule
    Er leidet unter enormen Leistungsdruck und Stress .
    Die Mittel die dagegen helfen, werden ihm vom Staat verwehrt.
    Weil Max nur einer von vielen ist , haben wir unsere Schule besetzt !
    Und weil wir nur wenige von vielen sind, brauchen wir EUCH !

    Kommt in die Aula der Albert-Einstein-Oberschule am U Bahnhof Pachimer Allee 109-111.

    16:00 Workshops
    18:30 Podiumsdiskusion
    20:00 Konzert

  4. #4 by Sebastian on November 18, 2009 - 3:26 pm

    Max altert aber schnell.

  5. #5 by Christopher on November 18, 2009 - 9:59 pm

    Hey – Max hat heute Geburtstag!
    Herzlichen Glückwunsch!

  6. #6 by Fargurd on November 18, 2009 - 10:49 pm

    Eine sehr schöne Erklärung, finde ich. Euch mögen noch viele weitere Schulen folgen, damit sich ein konstruktiver Dialog bilden kann, bei denen Schüler und Lehrer gleichermaßen zu Wort kommen und über Mißstände sprechen können. Und nur so kann man erreichen, dass sich über die Unis und Schulen hinaus auch die Politik mal um uns und Bildung kümmert und nicht nur um schnelle Lösungen für Quelle, Opel, HRE und wie sie alle heißen.

  7. #7 by socreana on November 18, 2009 - 11:11 pm

    Ich bin beeindruckt. 300 (von 1.100?) Schüler_innen waren in der Aula? Das ist ein Schnitt, den viele Unis gerne bei ihren VVs hätten…

    Ich hoffe irgendwie auf die Schlagzeile: “Schüler besetzten Schule, Forderung: Sanierung der Toiletten” Das bringt die beschämende finanzielle Ausstattung des deutschen Bildungssystems auf den Punkt.

    Solidarische Grüße aus der TU Berlin

  8. #8 by Kraki007 on November 19, 2009 - 12:55 am

    Soli aus Bamberg! Bamberg brennt!
    Ehemalige Einstein-Schülerin

  9. #9 by bla on November 19, 2009 - 3:42 pm

    Als Schüler dieser Schule kann ich sagen:
    Die Toiletten sind in einem akzeptablen Zustand, im letzten Jahr wurde viel dafür getan.
    Wenn sie verschmutzt und eklig sind, ist das nicht die Schuld des Bildungssystems.

    Jedem klar denkenden Menschen wird auffallen, dass die hier genannten Forderungen von Gutmenschentum (mangelndem Reflexionsvermögen gepaart mit fehlender Sachkenntnis) und Populismus pur durchsetzt sind. Oder wollt ihr ernsthaft, dass sich jeder Schüler individuell zwischen 12 und 13 Jahren Abitur entscheiden kann?
    Dass in Deutschland mehr Geld für Bildung investiert werden muss ist richtig. Aber wenn, wie auf unserer, wirklich toleranten, liberalen, vielleicht sogar zu wenig elitären Schule, diese Eigenschaften ausgenutzt werden, um eine lustige Übernachtungsparty, auf der ein pöbelnder, sonst auch steineschmeißender Mob “Kommunismus – Schalalalala” grölt, die Missstände in Berlin für die eigene idiotische politische Ideologie missbraucht, halte ich das für problematisch.

    PS.: Die Übernachtungsparty der “revolutionären”, “linksautonomen” “Besetzer” fand in der Sporthalle statt. In der Aula erlaubte es die Schulleitung nicht.

  10. #10 by JSG on November 20, 2009 - 12:13 am

    Auf dass ihr geräumt werdet. Viel Spaß!

    Übrigens HAT jeder die Wahl, sein Abi in 12 oder 13 Jahren zu machen: bleibt einfach ein Jahr sitzen! Wenn ihr es ohne schafft: umso besser. Wenn nicht: dann habt ihr zumindest nichts verloren.

    Ich habe mein Abi in 11 Jahren gemacht, OHNE Klassen aufgrund hoher Intelligenz zu überspringen, einfach nur aufgrund G8 in zwei verschiedenen Bundesländern. Es war nicht leicht, aber möglich – und lerntechnisch kein Unterschied zum Bruder, der sein Abitur dank Ehrenrunde nicht in 13, sondern 14 Jahren macht. Ich konnte keinerlei Mehrbelastung feststellen.

    Heult nicht, macht was. Dann klappt das auch mit dem Studium. Obwohl, hoffentlich nicht, wir haben schon genug Streiker….

  11. #11 by Lele on November 20, 2009 - 10:00 am

    An Personen die finden so schnell wie möglich das ABI hinter sich zu bringen sei mit ein bisschen Arbeit gut zu schaffen und alles die dem Leistungsdruck nicht so einfach standhalten können sollten “mal nicht so rumheulen”: Es hat übrigens jeder die Wahl sein ABI auch in 12 jahren zu machen oder 11 oder 10…. Schulen mit 12-Jahres ABI gibt es schon lange in Berlin, ich kenn auch Schüler die dort hingegangen sind. Außerdem kann man ja auch einach ne Klasse übersprigen, komm einfach superschlau auf die Welt. DU konntest vielleicht keine Mehrbeslastung feststellen. Das freut mich für dich. Es steht jedem immer frei besser zu sein als die anderen aber Leute zu zwingen ihr Leben aufzugeben, um dem Arbeitsmarkt 2 Jahre früher zur Verfügung zu stehen ist in meinen Augen eine Ungeheuerlichkeit!!!
    Solche Meinungen wie die obige sind der Grund warum Menschen heulen müssen….
    Lieben Gruß an die Besetzer_innen vom Einstein, ihr macht das Richtige, eine ehemalige Einsteinschülerin und jetzige Bachlor-Geplagte.

  12. #12 by Alex on November 20, 2009 - 3:54 pm

    Wie siehts aus, besteht hoffung das ihr morgen auch noch da seid?

  13. #13 by Anna on November 23, 2009 - 5:21 pm

    Liebe Schülerinnen und Schüler der AEO,
    als Ehemalige eurer Schule begrüße ich den Bildungsstreik ganz außerordentlich und sende euch solidarische Grüße aus Regensburg, wo ich überall mit Stolz erzähle, dass ihr die Schule besetzt habt. Ich wünsche euch das Beste mit euren Forderungen und hoffe, dass ihr eine Verbesserung erzielt. Gerne würde ich bei auch vorbeischauen und euch unterstützen. Wenn ihr eine solche Möglichkeit aus der Ferne seht, so sagt mir bescheid.
    Seid herzlich gegrüßt aus Regensburg,
    Anna

  14. #14 by Hendrik on November 25, 2009 - 12:11 am

    Moin ihr Schüler_innen!
    Also ich find die Aktion ne gute Sache. Je früher man anfängt darüber nachzudenken, wo es hingehen soll, desto besser. Demokratie sollte ja nicht beim Kreuzchen machen enden. Dass bei diesem Prozess nicht nach 2 Tagen die absoluten Superlösungen rauskommen, sollte wohl klar sein.

    #9: Ich hab ja keine Ahnung, wie es an der Schule aussieht/aussah, aber Formulierungen wie “lustige Übernachtungsparty, auf der ein pöbelnder, sonst auch steineschmeißender Mob “Kommunismus – Schalalalala” grölt” erinnert mich gerade stark daran, wie wir (die Besetzer_innen des TU-Audimax) als stinkende, Bier trinkende Hippies bezeichnet wurden. Und natürlich studieren wir alle im 20. Semester Geisteswissenschaften (an der TU? hääää?)… Ihr würdet Lachen, könntet ihr mich sehen…
    Also bla, warst du da? Oder ist das wieder nur so vom Hörensagen…

    Liebe Grüße
    Hendrik

  15. #15 by SchülerIn Wiesbadens on December 8, 2009 - 9:08 pm

    Wir brauchen Infos von den BesetzerInnen:
    Wie war das Versicherungstechnisch wegen der Nacht? War da immer ne Aufsichtsperson? Hattet ihr einen Schlüssel bekommen? Oder wie war das geregelt?
    Antworten an: Kontakt@bildungsbuendnis.tk
    Danke!

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